Viersen droht bis 2026 ein 39-Millionen-Defizit – und die IHK warnt vor fatalen Folgen
Miriam WeberViersen droht bis 2026 ein 39-Millionen-Defizit – und die IHK warnt vor fatalen Folgen
Viersen steht vor ernsten finanziellen Herausforderungen: Bis 2026 droht ein Haushaltsdefizit von 39 Millionen Euro. Zudem rechnet die Stadt bis 2031 mit jährlichen Fehlbeträgen von 25 bis 35 Millionen Euro – eine Entwicklung, die die Gefahr einer Insolvenz heraufbeschwört. Gleichzeitig warnt die Industrie- und Handelskammer (IHK) vor einer Erhöhung der Gewerbesteuer, da dies die Wettbewerbsfähigkeit schwächen und Investitionen abschrecken würde.
Die angespannte Haushaltslage in Viersen ist vor allem auf stark gestiegene Ausgaben zurückzuführen, insbesondere in der Jugendhilfe und bei den Kreisumlagen. Diese wachsenden Kosten zwingen die Stadt, über Steuererhöhungen nachzudenken – darunter eine differenzierte Grundsteuer B für Nicht-Wohngebäude, die im IHK-Bezirk die zweit höchste wäre. Doch dieser Ansatz birgt laut IHK rechtliche Unsicherheiten.
Die IHK lehnt jede Erhöhung der Grundsteuer (Typ B) oder der Gewerbesteuer entschieden ab. Höhere Abgaben würden lokale Unternehmen belasten und künftige Investitionen hemmen, so die Argumentation. Stattdessen plädiert die Kammer für eine verstärkte interkommunale Zusammenarbeit, um Dienstleistungen effizienter zu gestalten und Kosten zu senken. Erfolgsbeispiele gibt es bereits: So führten Mönchengladbach, Viersen und Neuss 2022 ein gemeinsames Abfallwirtschaftssystem ein, und seit 2023 nutzen Krefeld und Neuss gemeinsame Verwaltungsstrukturen.
Zwar begrüßt die IHK den freiwilligen Konsolidierungskurs der Stadt, doch die Personalkosten steigen weiterhin rasant. Um die Wirtschaftskraft zu stärken, fordert die IHK zudem, mehr Gewerbeflächen auszuweisen. Die Wirtschaftsförderung Viersen hat bereits mögliche Erweiterungsflächen identifiziert – ein vielversprechender Ansatz für die Zukunft.
Die finanzielle Perspektive Viersens bleibt ungewiss, da anhaltende Defizite die Stabilität gefährden. Die IHK setzt auf Zusammenarbeit, Kostendämpfung und gewerbliche Entwicklung statt auf Steuererhöhungen. Ohne Kurskorrektur drohen der Stadt in den kommenden Jahren weitere wirtschaftliche Belastungen.