15 March 2026, 06:08

EU-Saatgutverordnung gefährdet seltene Sorten und kleine Erzeuger in ganz Europa

Ein Buch mit dem Titel "Maule's Seed Book: The Guide to Successful Gardening Vegetables, Flowers, and Farm Crops 1935" mit Bildern verschiedener Gemüse und Text auf dem Cover.

EU-Saatgutverordnung gefährdet seltene Sorten und kleine Erzeuger in ganz Europa

Ein geplanter EU-Saatgutverordnung könnte seltene Pflanzensorten und kleine Erzeuger in ganz Europa bedrohen. Seit Februar 2026 laufen Verhandlungen zwischen der Europäischen Kommission, dem Parlament und dem Rat der Mitgliedstaaten. Kritiker warnen, das Gesetz könnte Hobbygärtner zu standardisiertem Saatgut drängen und Nischenanbieter aus dem Geschäft verdrängen.

Die neue Verordnung sieht strenge Zertifizierungsvorschriften und hohe Gebühren für Saatguthersteller vor. Kleine Erzeuger befürchten, dass diese Kosten den Handel mit traditionellem Saatgut unwirtschaftlich machen und seltene Sorten vom Aussterben bedroht sein könnten. Anne Mommertz, eine Selbstversorger-Gärtnerin aus Düsseldorf, äußerte die Sorge, dass viele einzigartige Sorten verschwinden könnten, sollte das Gesetz in Kraft treten.

Michael Bonke, Organisator des Düsseldorfer Saatgutfestes, teilt diese Bedenken. Er glaubt, die Verordnung könnte kleine Erzeuger vom Markt verdrängen und nur noch industriellen Großkonzernen das Feld überlassen. Unterdessen setzen Saatgutbibliotheken in Köln und Neuss auf den Erhalt der Artenvielfalt, indem sie kostenlose Saatgutleihe anbieten. Claudia Neufurth von der Stadtbibliothek Neuss verzeichnet eine hohe Nachfrage nach den vielfältigen Sorten aus ihrem Bestand.

Das Europäische Parlament setzt sich für Ausnahmen ein, um kleine Erzeuger zu schützen. Der Rat der Agrarminister hingegen bevorzugt einen strengeren Ansatz mit scharfen Kontrollen. Viele kleine Saatguthersteller in Düsseldorf bangen inzwischen um ihre Existenz, während die Verhandlungen weitergehen.

Falls die Verordnung verabschiedet wird, könnte sie den europäischen Saatgutmarkt grundlegend verändern, indem sie den Zugang zu traditionellen Sorten einschränkt. Hobbygärtner hätten dann weniger Auswahl, während kleine Erzeuger Mühe hätten, die neuen Anforderungen zu erfüllen. Das Ergebnis der EU-Diskussionen wird entscheiden, ob seltene Sorten überleben – oder für immer aus dem Umlauf verschwinden.

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