14 March 2026, 12:08

Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben: Verkaufseinbruch bedroht Obdachlosen-Hilfe

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Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben: Verkaufseinbruch bedroht Obdachlosen-Hilfe

Düsseldorfs "fiftyfifty"-Magazin – eine Lebensader für viele Obdachlose – verzeichnet einen drastischen Rückgang der Verkaufszahlen. Noch vor einiger Zeit verkaufte sich die Zeitschrift mit bis zu 40.000 Exemplaren pro Monat, doch mittlerweile ist die Auflage auf weniger als 12.000 gesunken. Der Einbruch spiegelt die allgemeinen Schwierigkeiten der Printmedien wider, verschärft durch eine wachsende Feindseligkeit gegenüber den Verkäufer:innen.

Das von Hubert Ostendorf gegründete "fiftyfifty" bietet Obdachlosen seit Langem eine Möglichkeit, Geld zu verdienen, ohne ihre Würde zu verlieren. Die Verkäufer:innen kaufen das Magazin für 1,70 Euro und verkaufen es für 3,40 Euro weiter – die Hälfte des Erlöses behalten sie. Mit den Einnahmen finanziert die Zeitschrift zudem wichtige Dienstleistungen, von der Straßenhilfe bis zur tierärztlichen Versorgung herrenloser Hunde.

Doch das Magazin ist mehr als nur eine Einnahmequelle. Für viele bedeutet es Zugehörigkeit und Schutz in einer Stadt, in der Obdachlosigkeit oft mit Isolation einhergeht. Gleichzeitig dient es als Plattform für politische Forderungen, die auf Missstände aufmerksam macht und Diskriminierung gegen marginalisierte Gruppen anprangert.

Doch das Projekt steht vor ernsten Herausforderungen. Der allgemeine Niedergang der Printmedien hat die Verkaufszahlen stark belastet. Gleichzeitig berichten Verkäufer:innen – insbesondere solche mit Migrationshintergrund – von zunehmender Rassismus- und Gewaltbereitschaft in der Öffentlichkeit. Um die steigenden Kosten abzufedern, wurde der Verkaufspreis kürzlich erhöht, bleibt aber weiterhin niedriger als viele Alltagskäufe.

"fiftyfifty" passt sich an und bietet sowohl eine Print- als auch eine digitale Ausgabe an. Die Online-Version funktioniert wie eine Rubbellotterie, wobei die Verkäufer:innen weiterhin die Hälfte des Verkaufserlöses erhalten. Weitere Finanzierung kommt durch Spenden und eine Wohltätigkeitsgalerie, die Kunstwerke bekannter Künstler:innen verkauft.

Der Rückgang der Auflage wirft Fragen zur Zukunft von "fiftyfifty" und der Unterstützung auf, die es leistet. Ohne klare Daten zu Veränderungen bei den Verkaufsstellen hängt die Nachhaltigkeit des Projekts davon ab, Sichtbarkeit und öffentliches Wohlwollen zu bewahren. Bis auf Weiteres bleibt das Magazin jedoch eine unverzichtbare Ressource – für die Verkäufer:innen und die gesamte Gemeinschaft.

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