Merz' erstes Jahr als Kanzler: Koalition am Rande des Kollapses?
Friedrich Merz hat nun ein volles Jahr als Bundeskanzler amtiert. Seine Koalition mit der SPD sieht sich wachsender Spannung ausgesetzt, wobei beide Seiten sich gegenseitig die Schuld für stockende Fortschritte zuschieben. Die Zustimmungswerte für die Regierung – und für Merz persönlich – bleiben niedrig, während die Streitigkeiten weiter eskalieren.
Die jüngsten Konflikte folgen Vorwürfen des Kanzlers, die SPD zeige keine Kompromissbereitschaft. Kritiker werfen ihm vor, sein Vorgehen vertiefe die Gräben, statt sie zu überbrücken. Die Probleme der Koalition schwelen bereits seit Monaten. Bildungsministerin Karin Prien kritisierte kürzlich das angespannte Verhältnis zwischen Union und SPD und warnte, die Zusammenarbeit müsse sich dringend verbessern. Doch Merz bleibt hart: Öffentlich macht er die SPD für Blockaden bei der Migrationspolitik, dem Bürgergeld und der Rentenreform verantwortlich.
Seine Haltung bleibt nicht unwidersprochen. Eine Strömung in der eigenen Partei drängt ihn zu einer noch schärferen Gangart gegen die SPD. Doch Analysten warnen, diese Strategie könnte nach hinten losgehen – sie könnte den Widerstand sowohl beim Koalitionspartner als auch in den eigenen Reihen weiter verhärten. Die SPD hat unterdessen in zentralen Politikbereichen bereits Zugeständnisse gemacht – nur um vom Kanzler erneut Kritik einstecken zu müssen.
Beobachter verweisen auf erfolgreiche Landesregierungen als Beleg dafür, dass Koalitionen dann funktionieren, wenn beide Partner sichtbare Erfolge für sich verbuchen können. Die Berliner Führung jedoch ringt mit dieser Balance. Ohne einen Kurswechsel könnte die aktuelle Koalition das Schicksal der vorherigen Ampelregierung wiederholen, die unter ähnlichem Druck zerbrach.
Merz’ erstes Amtsjahr war geprägt von anhaltenden Konflikten und sinkender öffentlicher Unterstützung. Seine wiederholten Vorwürfe gegen die SPD haben den Widerstand – sowohl in der Koalition als auch in der eigenen Partei – weiter angeheizt. Ob die Regierung sich stabilisieren kann, hängt davon ab, ob es gelingt, die Schuldzuweisungen hinter sich zu lassen und tragfähige Kompromisse zu finden.






