Dokumentarfilm dreht die Ost-West-Debatte um: Jetzt fragt der Osten zurück
Anton GüntherDokumentarfilm dreht die Ost-West-Debatte um: Jetzt fragt der Osten zurück
Ein neuer Dokumentarfilm dreht die Perspektive auf die deutsche Ost-West-Spalte um. Der Filmemacher Matthias Schmidt reist vom ehemaligen Osten nach Nordrhein-Westfalen – und stellt diesmal Fragen, die sonst meist dem Osten gestellt werden. Sein Film "Wut. Jetzt fahren wir in den Westen" ist ab sofort in der ARD-Mediathek verfügbar.
Schmidts Reise beginnt mit einer persönlichen Verbindung: 1989, ein Jahr des Umbruchs, besuchte er erstmals Nordrhein-Westfalen. Der Bundesland, bekannt für industriellen Niedergang und ein angestaubtes Image, wird zum Mittelpunkt seiner Erkundung.
Der Dokumentarfilm kehrt die jahrzehntelange Berichterstattung westdeutscher Journalisten über den Osten um. Stattdessen hinterfragt Schmidt die Probleme des Westens – etwa die marode Infrastruktur. Teile der Sauerlandlinie sind seit 2021 wegen brüchiger Brücken gesperrt. Er zeigt auch vernachlässigte Stadtviertel, in denen Anwohner wie Burak Yilmaz, ein Deutscher mit türkischen Wurzeln, berichten, dass die letzte große Investition vor 40 Jahren stattfand.
Einwanderung prägt den Westen auf eine Weise, wie sie der Osten nie erlebt hat. Marion Scholl, die im Bundespräsidialamt in Bonn arbeitete, beobachtet, wie die Stadt nach dem Regierungsumzug jünger und internationaler wurde. Kerstin Buscha, ursprünglich aus Hoyerswerda, fühlt sich im Ruhrgebiet zu Hause, bleibt aber ihrer ostdeutschen Heimat verbunden.
Der Film stellt gängige Vorstellungen über die regionalen Unterschiede in Deutschland infrage. Indem er die eigenen Schwächen des Westens beleuchtet, wirft er einen neuen Blick auf die Realität nach der Wiedervereinigung. "Wut. Jetzt fahren wir in den Westen" ist jetzt zum Streamen verfügbar – und lädt ein, diese Kontraste zu entdecken.






