ARD testet 30-minütige Tagesschau – kann das die sinkenden Quoten retten?
Jakob MayerARD testet 30-minütige Tagesschau – kann das die sinkenden Quoten retten?
Der öffentliche Rundfunksender ARD testet eine längere Version seines Flaggschiff-Nachrichtenformats Tagesschau. Im Rahmen des Versuchs wird das üblicherweise 15-minütige Programm auf 30 Minuten zur Hauptsendezeit ausgeweitet – beginnend mit dem Montagabend-Slot um 20:15 Uhr. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund sinkender Zuschauerzahlen bei den klassischen Ausgaben in den vergangenen fünf Jahren.
Laut ARD-Daten gingen die Einschaltquoten der traditionellen Tagesschau von etwa 7–8 Millionen im Jahr 2021 auf rund 5–6 Millionen im Jahr 2025 zurück. Gleichzeitig verzeichneten kürzere digitale Formate wie die 3-minütige Tagesschau einen Anstieg der Abrufe um 20–30 Prozent im selben Zeitraum.
Mit dem erweiterten Format will der Sender den Zuschauerinnen und Zuschauern vertiefte Informationen und ein stärkeres Gefühl der Repräsentation bieten. Jörg Schönenborn, Programmdirektor des WDR, bezeichnete die Änderung als "Brücke zwischen globalen Ereignissen und persönlicher Erfahrung". Er betonte, dass es sich nicht um ein einmaliges Experiment handle, sondern um Teil einer umfassenderen Strategie, Nachrichten relevanter für den Alltag zu gestalten.
ARD erhofft sich von der längeren Sendedauer zudem mehr Vertrauen in die Medien und eine Rückgewinnung von Zuschauerinnen und Zuschauern. Doch die Strategie stößt auf Kritik. Aurelie von Blazekovic von der Süddeutschen Zeitung nannte den Versuch einen "fragwürdigen Vorstoß, um Zuschauer zurückzugewinnen". Michael Hanfeld, Medienredakteur der FAZ, argumentierte, 15 Minuten reichten für die Nachrichtenvermittlung vollkommen aus. Er warnte, die Verlängerung könnte den Primetime-Plan von ARD durcheinanderbringen.
Anna Mayr, Journalistin bei Die Zeit, lenkte die Debatte hingegen weg von der Länge des Formats. Das eigentliche Problem liege nicht in der Dauer, sondern in der Qualität der Sendung selbst, so Mayr. Auch der Entscheidungsprozess hinter dem Test steht in der Kritik – einige bezeichnen die internen Abläufe bei ARD als übermäßig bürokratisch.
Der 30-minütige Probebetrieb läuft vorerst weiter, eine endgültige Entscheidung über eine dauerhafte Umstellung steht jedoch noch aus. Der Versuch spiegelt ARDs Reaktion auf veränderte Sehgewohnheiten wider, da das Publikum zunehmend kürzere digitale Inhalte bevorzugt. Sollte das längere Format übernommen werden, würde es den Zuschauerinnen und Zuschauern zwar mehr Zeit abverlangen, verspricht aber eine ausführlichere Berichterstattung. Eine abschließende Bewertung steht noch aus.






