Wenders zieht Falsche Bewegung nach Kinski-Kritik zurück – ein spätes Eingeständnis?
Anton GüntherWenders zieht Falsche Bewegung nach Kinski-Kritik zurück – ein spätes Eingeständnis?
Eine jahrzehntealte Debatte um Wim Wenders’ Film Falsche Bewegung aus dem Jahr 1975 ist erneut aufgeflammt. Im Mittelpunkt steht Nastassja Kinskis halb nackter Auftritt in dem Film – damals erst dreizehn Jahre alt. Kürzlich wurde der Streifen im Rahmen einer Retrospektive über den Regisseur in Frankfurt gezeigt.
Die Kontroverse gewann an Fahrt, als Kinski selbst die Entfernung der betreffenden Szene forderte. Wenders lehnte zunächst ab, entschuldigte sich später jedoch und zog den Film nach wachsendem öffentlichen Druck zurück. Diese Entscheidung wirft weiterhin Fragen auf – vor allem zur Sexualisierung von Minderjährigen im Kino.
Mittlerweile haben auch andere Schauspielerinnen über ihre frühen Rollen gesprochen. Brooke Shields, die mit elf Jahren in Pretty Baby eine Kinderprostituierte spielte, äußerte sich unbehaglich über die Rechtfertigung des Films. Jodie Foster, die mit zwölf in Taxi Driver mitwirkte, sprach stets mit Humor über ihre Rolle. Natalie Portman, Dakota Fanning und Kirsten Dunst hingegen betonten alle die Notwendigkeit professioneller Standards und eines respektvollen Umgangs mit kindlichen Darstellern am Set.
Die Debatte spaltet die Meinungen. Manche fordern, Filme mit heute inakzeptablen Inhalten nachträglich zu bearbeiten. Andere bestehen darauf, das Originalwerk in seiner ursprünglichen Form zu bewahren. Als Kompromiss wurde vorgeschlagen, solche Szenen zu kennzeichnen oder in einen Kontext einzuordnen.
Der Rückzug von Falsche Bewegung unterstreicht ein wachsendes Bewusstsein für vergangene Fehler. Der Perspektivwechsel in der Frage der Sexualisierung von Minderjährigen wird heute weitgehend begrüßt. Die Diskussion darüber, wie man problematische Inhalte in älteren Filmen verantwortungsvoll aufarbeiten kann, dauert an.






