10 May 2026, 12:08

Warum junge Männer heute zwischen AfD und Feminismus schwanken

Ein pinkfarbenes weibliches Geschlechterzeichen auf einem weißen Hintergrund.

Warum junge Männer heute zwischen AfD und Feminismus schwanken

Vor zwanzig Jahren trug der Fußballer Tim Wiese auf dem Platz Pink, ohne dass dies Debatten über Männlichkeit auslöste. Heute haben die Diskussionen über die Rolle von Männern in der Gesellschaft eine schärfere politische Wendung genommen. Da sich immer mehr junge Männer von rechtsextremen Parteien angezogen fühlen, versuchen einige Politiker nun, auf neue Weise mit ihnen in Kontakt zu treten – selbst über den Feminismus.

Bei der Bundestagswahl 2021 wählten Männer unter 24 Jahren mehrheitlich die rechtsextreme AfD. Frauen derselben Altersgruppe bevorzugten dagegen eher linksgerichtete Parteien. Diese Kluft hat einige Politiker dazu veranlasst, ihre Strategien zur Ansprache junger Männer zu überdenken.

Felix Banaszak, Co-Vorsitzender der Grünen, hat sich dies zur persönlichen Mission gemacht. Im Februar gab er dem Playboy ein Interview und nutzte die Plattform, um mit männlichen Lesern über Feminismus zu sprechen. Später räumte er ein, dass ein Social-Media-Beitrag über die Rolle von Männern bei schädlichem Verhalten bewusst provokant formuliert war. Seine Botschaft ist klar: Starre Geschlechterrollen schränken Männer genauso ein wie Frauen – und Männer sollten ein Interesse am Feminismus haben.

Banaszak ist nicht der erste Grüne, der traditionelle Männlichkeitsbilder infrage stellt. Bereits 2010 veröffentlichten 21 grüne Politiker ein Manifest mit dem Titel „Männer, gebt Macht ab! Es lohnt sich.“ Kürzlich postet der Europaabgeordnete der Grünen, Rasmus Andresen, Videos, in denen er linke Themen mit seinen persönlichen Hobbys verknüpft – in der Hoffnung, so eine gemeinsame Basis mit jungen Männern zu finden.

Doch nicht alle in der Partei sind überzeugt. Beim Bundesfrauenrat hinterfragten einige Frauen Banaszaks Forderung nach einem Männerforum innerhalb der Grünen. Kritiker argumentieren, dass Männer ohnehin schon die politischen Räume dominieren, und fragen sich, ob eine separate Plattform wirklich notwendig ist.

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Die AfD hingegen setzt auf eine andere Strategie. In einem Video vor der Europawahl 2024 rief der Politiker Maximilian Krah junge Männer, die Schwierigkeiten haben, eine Partnerin zu finden, dazu auf, „nach rechts“ zu gehen. Seine Botschaft steht im krassen Gegensatz zum grünen Aufruf nach Gleichberechtigung.

Die Grünen testen neue Ansätze, um junge Männer zu gewinnen – von feministischen Argumenten bis hin zu persönlichen Geschichten. Ob diese Bemühungen die Wahlpräferenzen verändern werden, bleibt ungewiss. Fest steht: Die politische Kluft zwischen jungen Männern und Frauen wird immer größer.

Quelle