Warum AfD-Anhänger trotz Skandale an ihrer Partei festhalten
Eine neue Studie des Soziologen Aladin El-Mafaalani wirft Licht darauf, warum in bestimmten Gruppen das Misstrauen gegenüber der Demokratie weiterhin besteht. Seine Forschung untersucht, wie Skeptiker im Internet eng vernetzte Gemeinschaften bilden und dadurch ihre Überzeugungen verstärken. Die Ergebnisse helfen, die anhaltende Anziehungskraft populistischer Bewegungen und Figuren wie Donald Trump oder der deutschen AfD zu erklären.
El-Mafaalani, der in Dortmund forscht, argumentiert, dass Anhänger rechtspopulistischer Parteien wie der AfD ihre Haltung selbst dann nicht ändern werden, wenn ihre Führungsspitze versagt. In seinem Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" analysiert er, wie Menschen das Vertrauen in staatliche Institutionen verlieren und sich stattdessen gleichgesinnten Skeptikern zuwenden.
Die AfD entstand 2013 als euroskeptische Partei, vollzog jedoch ab 2015 eine radikale Wende. Sie übernahm nationalistische Rhetorik, griff die Migrationspolitik an und kritisierte die etablierten Medien. Bis 2022 verließ selbst ihr Mitgründer Jörg Meuthen die Partei – mit der Begründung, sie entwickle sich zunehmend in Richtung Extremismus. Ihre Wählerbasis weitete sich von Anti-Euro-Aktivisten auf breitere systemkritische Gruppen aus, insbesondere während der Flüchtlingskrise.
Laut El-Mafaalani verbinden diese misstrauischen Menschen ihr gemeinsames Skeptizismusgefühl. Sie nutzen digitale Plattformen, um sich zu organisieren, und schaffen so, was er als "Gemeinschaften des Misstrauens" bezeichnet. Solche Netzwerke festigen ihren Glauben an Parteien, die die liberale Demokratie ablehnen. Seine Analyse legt nahe, dass ein besseres Verständnis dieser Dynamiken helfen könnte, wirksamere Antworten auf den Rechtspopulismus zu entwickeln.
El-Mafaalans Arbeit zeigt eine zentrale Herausforderung auf: Das Misstrauen gegenüber der Demokratie ist in manchen Gruppen tief verwurzelt. Selbst offenkundige Inkompetenz populistischer Parteien dürften ihre Anhänger kaum erschüttern. Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit von Strategien, die die Ursachen dieses Skeptizismus gezielt angehen.






