22 March 2026, 10:08

Riesige Pipeline soll Rheinwasser in den Tagebau Hambach leiten – doch Kritik wächst

Alte Karte des Rheins in Deutschland, die Flüsse, Städte und Gewässer zeigt, mit Text oben und unten.

Riesige Pipeline soll Rheinwasser in den Tagebau Hambach leiten – doch Kritik wächst

Ein riesiges 45 Kilometer langes Rohrleitungssystem soll bald Rheinwasser in den Tagebau Hambach leiten – Teil eines langfristigen Plans, um ehemalige Braunkohlegruben zu fluten. Das Vorhaben, das 2030 starten soll, zielt darauf ab, ausgebeutete Tagebaue in Seen, Feuchtgebiete und potenzielle Touristenattraktionen zu verwandeln. Doch Bedenken hinsichtlich der Wasserqualität, ökologischer Risiken und zukünftiger Kosten haben unter lokalen Gruppen und Behörden eine Debatte ausgelöst.

Die Leitung, bestehend aus 10.000 Einzelrohren – einige mit einem Durchmesser von bis zu 2,2 Metern –, wird ab 2030 Rheinwasser in den Tagebau Hambach umleiten. Zwei weitere Gruben, Garzweiler und Inden, sollen 2036 beziehungsweise 2030 folgen. Die Flutung dieser gewaltigen Löcher wird 40 Jahre dauern, wobei anschließend weitere Jahrzehnte nötig sein werden, um den Wasserstand zu halten.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Der Energiekonzern RWE, der das Projekt leitet, bezeichnet die Pipeline als Verpflichtung für die Zukunft der Region. Vorstandsmitglied Lars Kulik nannte sie ein "Symbol für Verlässlichkeit und zukünftige Chancen" und verwies auf Pläne für neue Seen, geschützte Feuchtgebiete sowie wirtschaftliches Wachstum durch Tourismus und Arbeitsplätze. Andreas Heller, Bürgermeister von Elsdorf, hat den künftigen Hambacher See bereits in "Elsdorfer See" umbenannt und erhofft sich davon eine Steigerung des Bekanntheitsgrads der Stadt.

Doch Umweltschutzorganisationen wie der BUND und Alle Dörfer bleiben schlagen Alarm. Sie hinterfragen die Qualität des Rheinwassers und verweisen auf Schadstoffe wie PFAS – die sogenannten "Ewigkeitschemikalien" – sowie auf das Risiko einer Grundwasserverschmutzung. Der lokale Aktivist Andreas Büttgen von der Initiative Bürger für Bürger warnt, dass RWEs Flutungsstrategie scheitern könnte und die Steuerzahler mit immensen Langzeitkosten belasten würde. Er fordert strengere Wasseraufbereitung, bessere Überwachung und mehr öffentliche Kontrolle.

Zusätzlichen Druck übt der Bau eines Hyperscale-Rechenzentrums von Microsoft in der Nähe aus, das enorme Mengen Wasser zur Kühlung benötigen wird. Dies verschärft die Sorgen vor Wasserknappheit in der Region. Gleichzeitig hat die Bezirksregierung Arnsberg noch keine Genehmigung für die Wassereinleitung in den Tagebau Hambach erteilt; das Zulassungsverfahren soll im Herbst beginnen.

Die Flutung der Tagebaue Hambach, Garzweiler und Inden wird Jahrzehnte in Anspruch nehmen, wobei die ersten Wasserumleitungen für 2030 geplant sind. Während RWE und lokale Verantwortliche wirtschaftliche und ökologische Vorteile betonen, fordern Kritiker strengere Schutzmaßnahmen gegen Verschmutzung und klarere langfristige Konzepte. Der Ausgang des Genehmigungsverfahrens und die anhaltende Prüfung werden entscheiden, wie die Region ihr industrielles Erbe mit ökologischen und gesellschaftlichen Bedürfnissen in Einklang bringt.

Quelle