Radikaler Bruch: Linken-Kreisverband Rhein-Berg räumt Führung nach monatelangen Machtkämpfen
Tobias LehmannRadikaler Bruch: Linken-Kreisverband Rhein-Berg räumt Führung nach monatelangen Machtkämpfen
Linken-Kreisverband Rhein-Berg durchlebt radikalen Führungswechsel nach monatelangen internen Querelen
Nach monatelangen internen Konflikten hat der Kreisverband Rhein-Berg der Linkspartei einen tiefgreifenden Wechsel an der Spitze vollzogen. Der langjährige Funktionär Tomás Santillán sowie die bisherigen Co-Vorsitzenden Sylke Heisterhagen und Hale Bagherzadeh legten ihre Ämter im Regionalvorstand nieder. Ihr Rücktritt markiert das Ende einer Ära für die Partei, die zunehmend mit Spannungen und finanziellen Streitigkeiten zu kämpfen hatte.
Die Umbrüche folgen auf eine turbulente Phase für den Ortsverband Bergisch Gladbach, der bei den Kommunalwahlen im September 2024 sämtliche Sitze im Stadtrat verlor. Dieser Niedergang löste interne Konflikte, Rücktritte und Forderungen nach einer Neuaufstellung der Partei aus.
Die Krise spitzte sich zu, als Santillán statt persönlich an der Regionalversammlung teilzunehmen eine ausführliche Pressemitteilung als "Bericht des Vorstands" einreichte. Seine Abwesenheit stieß auf Kritik – insbesondere, nachdem die Versammlungsleitung seinen Finanzbericht wegen formaler und inhaltlicher Mängel zurückwies. Santillán räumte später "politische Verantwortung für das finanzielle Chaos" ein, zeigte sich aber zuversichtlich, dass der neu gewählte Vorstand die Probleme lösen werde.
Auf der Regionalversammlung stimmten die Mitglieder mit großer Mehrheit für einen kompletten Austausch der bisherigen Führung. Kolja Pfeiffer und Iwona Winterscheid wurden als neue Co-Vorsitzende mit deutlicher Mehrheit gewählt. Pfeiffer, einer der beiden neuen Sprecher, übernimmt damit die Nachfolge von Santillán, Heisterhagen und Bagherzadeh, während Marcel Scharge mit einstimmigen 40:0 Stimmen zum neuen Schatzmeister bestimmt wurde – als Nachfolger von Klaus Reuschel-Schwitalla.
Der Bergisch Gladbacher Ortsverband hat für Samstag, den 31. März 2026, eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen. Auf der Tagesordnung stehen die Wahl eines neuen Vorstands, die Verabschiedung geänderter Satzungen sowie die Debatte über eine mögliche Auflösung des Verbandes. Diese Schritte spiegeln die Bemühungen der Partei wider, nach Monaten des Streits und Wahlrückschlägen wieder Stabilität zu gewinnen.
Santillán, einst eine zentrale Figur in den Rhein-Berg- und Bergisch Gladbacher Strukturen der Linkspartei, war zunehmend zur umstrittenen Person geworden. Sein unkonventioneller Führungsstil und Konflikte mit Mitgliedern trugen maßgeblich zur wachsenden Instabilität der lokalen Organisation bei.
Der Führungswechsel markiert einen Wendepunkt für die Linke in Rhein-Berg. Mit den neuen Co-Vorsitzenden und einem Schatzmeister im Amt rückt nun die Aufarbeitung finanzieller Unregelmäßigkeiten und der Wiederaufbau des Vertrauens unter den Mitgliedern in den Fokus. Die anstehende außerordentliche Versammlung wird zeigen, ob es dem Bergisch Gladbacher Verband gelingt, sich zu erholen – oder ob weitere Umstrukturierungen, möglicherweise sogar eine Auflösung, bevorstehen.






