NRW-Polizei setzt auf Open-Source-Intelligenz gegen digitale Kriminalität
Miriam WeberNRW-Polizei setzt auf Open-Source-Intelligenz gegen digitale Kriminalität
Nordrhein-Westfalens Polizei baut digitale Ermittlungskompetenz mit Open-Source-Intelligenz massiv aus
Die Polizei in Nordrhein-Westfalen hat ihre Fähigkeiten zur digitalen Verbrechensbekämpfung mit einem großen Vorstoß in den Bereich der Open-Source-Intelligenz (OSINT) deutlich ausgebaut. Das unter dem Namen „Digitale Streife“ bekannte Projekt startete im September 2024 – als direkte Reaktion auf einen islamistischen Messerangriff in Solingen. Seither hat das Land Dutzende Beamte geschult und spezialisierte Teams aufgebaut, um Online-Bedrohungen effizienter zu verfolgen.
Den Anstoß gab die Sicherheitslage nach dem Anschlag in Solingen. Fabian Coenen, Leiter der Unterabteilung 22.2 beim Landeskriminalamt (LKA) Düsseldorf, beschrieb das Projekt als Teil eines umfassenderen Maßnahmenpakets, das damals auf den Weg gebracht wurde. Anfangs bestand das OSINT-Team des LKA nur aus zwei Personen. Mittlerweile ist daraus eine 16köpfige Unterabteilung geworden, in der IT-Experten, Soziologen und Politikwissenschaftler zusammenarbeiten.
Bis Anfang Oktober 2025 hatte die erste Schulungsgruppe ihren Lehrgang abgeschlossen. Jannik Doktorowski, ein Kriminalhauptkommissar aus Bielefeld, nahm daran teil und betonte, wie das Programm sowohl die operationelle Sicherheit als auch die Ermittlungskompetenz verbessert habe. Die Ausbildung umfasst realistische Szenarien – etwa die Fahndung nach einem gesuchten Influencer durch die Analyse seiner Social-Media-Aktivitäten, bei der Hinweise wie Straßennamen, Graffiti oder lokale Werbung im Hintergrund ausgewertet werden.
Marc Restemeyer, Dozent an der Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten (LAFP), entwickelte den Lehrplan. Sein webbasiertes Programm umfasst zehn Module und stellt sicher, dass alle Beamten einheitlich hohe Standards erfüllen. Der Kurs kombiniert interaktive Videos mit praktischen Übungen und vermittelt den Teilnehmern, wie sie Online-Ermittlungen rechtssicher und effizient durchführen.
Im Rahmen der „Digitalen Streife“ entstanden zudem sechs spezialisierte Einheiten, die bei dringenden Fällen der nationalen Sicherheit zum Einsatz kommen. Diese Teams leisten Schnellreaktions-Unterstützung im OSINT-Bereich und übernehmen gleichzeitig umfassendere Rechercheaufgaben. Insgesamt stellte das LKA zehn neue Beamte ein, während fast 100 weitere Polizisten in sechs §4-Behörden geschult wurden. Moderne Arbeitsplätze und aktualisierte Technik unterstützen ihre erweiterte Rolle.
Durch die Ausweitung verfügt die nordrhein-westfälische Polizei nun über leistungsfähigere Instrumente für digitale Ermittlungen. Die Beamten wenden standardisierte OSINT-Methoden an, um Online-Daten sicher zu sammeln und auszuwerten. Langfristiges Ziel des Projekts ist es, die Strafverfolgungsbehörden im digitalen Raum gegenüber sich wandelnden Bedrohungen handlungsfähig zu halten.






