16 March 2026, 00:31

Milo Rau stellt Deutschland vor ein fiktives Gericht – wegen der AfD

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung eines überfüllten Gerichtssaals mit stehenden und sitzenden Menschen, beschriftet mit «Der Prozess gegen die britische Armee in London, England».

Regisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Milo Rau stellt Deutschland vor ein fiktives Gericht – wegen der AfD

Die diesjährigen Hamburger Lessing-Tage enden mit einer mutigen und umstrittenen Veranstaltung: Der Schweizer Regisseur Milo Rau inszeniert am Thalia Theater ein dreitägiges Gerichtsverfahren gegen Deutschland, das prüft, ob die rechtspopulistische AfD verboten werden sollte. Der fiktive Prozess wird als Live-Videostream übertragen und ist online für das Publikum zugänglich. Das Lessing-Tage-Festival wurde 2010 unter der Leitung von Joachim Lux, dem damaligen Intendanten des Thalia Theaters, ins Leben gerufen. Die diesjährige Ausgabe kuratierte Matthias Lilienthal, der bald die künstlerische Leitung der Berliner Volksbühne übernehmen wird. Raus Produktion bricht mit klassischen Theaterkonventionen: Statt Schauspieler leiten Juristen und Rechtsexperten das Verfahren – unter dem Vorsitz der ehemaligen Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin als Richterin. Das Format erinnert an Raus früherer Arbeiten wie Der Kongo-Tribunal (2015) oder Breiviks Aussage (2014), in denen reale Nachstellungen mit direkter Publikumseinbindung verschmolzen. Sein politisch aufgeladener, postdramatischer Stil war bereits an renommierten Häusern wie dem belgischen NTGent, der Berliner Schaubühne oder dem Avignon Festival zu sehen. Diesmal rückt die deutsche Politik in den Fokus: Die AfD wird in einem theatralischen Gerichtsverfahren auf den Prüfstand gestellt. Das Gerichtsverfahren gegen Deutschland bildet den Höhepunkt des Festivals und wird live auf der Website des Thalia Theaters übertragen. Durch die Besetzung mit Juristen statt Schauspielern soll eine Debatte über die Zukunft der AfD angestoßen werden. Damit setzt Rau seine Tradition fort, das Publikum mit drängenden politischen Fragen zu konfrontieren.

AKTUALISIERUNG

Jury fordert Überprüfung des AfD-Verbots im theatralischen Prozessurteil

Der fiktive Prozess endete mit einer eindeutigen Entscheidung. Die Jury befand die AfD in zentralen Aspekten für verfassungswidrig und forderte eine formelle Überprüfung des Verbots. Sie verlangte auch den Ausschluss der Partei aus der staatlichen Finanzierung. Die abschließende Abstimmung lautete 4 Ja zu 3 Nein.