Marathon-Theater boomt: Warum Deutsche siebenstündige Stücke lieben
Das Berliner Theatertreffen zeigt auch in diesem Jahr: Deutschland liebt das Marathon-Theater
Unter den zehn ausgewählten Produktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz präsentieren die Münchner Kammerspiele diesmal ein siebenstündiges Epos. Die Tickets für die Aufführung waren innerhalb kürzester Zeit ausverkauft – ein Beweis für die anhaltende Faszination des Publikums für ultra-lange Stücke.
Die Tradition ausufernder Theaterabende im deutschsprachigen Raum reicht Jahrzehnte zurück. Mit dem Aufstieg des Regietheaters in den 1970er- und 1980er-Jahren wurden längere, experimentellere Inszenierungen populär. Einer der berühmtesten Fälle ist Luk Percevals Schlachten, das 1999 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt wurde und volle zwölf Stunden dauerte.
Nora Hertlein-Hull, die Leiterin des Berliner Theatertreffens, erlebte ihre erste Marathon-Aufführung im Jahr 2007. Seither sind diese langen Stücke fester Bestandteil der deutschen Bühnen. Erst im vergangenen Jahr zeigte das Schauspielhaus Bochum Die Brüder Karamasow in einer siebenstündigen Fassung. Nun bereitet die Berliner Volksbühne eine Neuinszenierung von Peer Gynt vor, dessen erster Teil allein in der Originalfassung acht Stunden dauerte.
Beim diesjährigen Theatertreffen ist mit Wallenstein: Ein Schlachtenfest in sieben Gängen eine siebenstündige Produktion der Münchner Kammerspiele zu sehen. Zwar führt der Deutsche Bühnenverein keine offiziellen Statistiken über Spieldauern, doch der Trend ist unübersehbar: Das Publikum schätzt diese anspruchsvollen, immersiven Erlebnisse nach wie vor.
Dass Wallenstein so schnell ausverkauft war, bestätigt das anhaltende Interesse am Marathon-Theater. Mit der bevorstehenden Wiederbelebung von Peer Gynt an der Volksbühne zeigt sich: Die Tradition der ultra-langen Aufführungen ist ungebrochen. Deutsche Bühnen bleiben ambitionierten, zeitintensiven Produktionen treu, die sowohl Schauspieler als auch Zuschauer herausfordern.






