Lissabons "Sunset-Steuer" entpuppt sich als genialer Aprilscherz mit ernstem Hintergrund
Anton GüntherLissabons "Sunset-Steuer" entpuppt sich als genialer Aprilscherz mit ernstem Hintergrund
Lissabon kündigt drastische neue Regeln an – doch es stellt sich als Scherz heraus
Lissabon hat mutige neue Vorschriften angekündigt, um die Überfüllung an seinen beliebtesten Aussichtspunkten einzudämmen. Ab dem 1. April sollten Besucher mit Zeitlimits, ticketpflichtigem Zugang und Strafen bei Überschreitung der Aufenthaltsdauer rechnen. Die Maßnahmen zielten darauf ab, das sogenannte "Sunset-Squatting" zu beenden und den Druck auf historische Stätten zu verringern.
Doch später gab die Stadt bekannt, dass es sich bei dem Plan um einen ausgeklügelten Streich der lokalen Gruppe Lisboa Secreta handelte.
Die gefälschte Regelung hätte an zentralen Orten gläserne Drehkreuze mit intelligenter Technologie eingeführt. Als erste Teststandorte waren Graça, Senhora do Monte, Santa Catarina (Adamastor) und São Pedro de Alcântara vorgesehen. Ab Mai hätten Besucher angeblich strenge Zeitbegrenzungen einhalten müssen, die durch Ampelsignale optisch durchgesetzt werden sollten.
Den gefälschten Bestimmungen zufolge hätten Anwohner mit Steuerregistrierung in den historischen Stadtteilen ein "Grüne-Spur"-Privileg erhalten. Damit hätten sie Warteschlangen umgehen und ihre Besuchszeit auf 20 Minuten ausdehnen können. Verstöße wären hingegen mit vorübergehend gesperrten Drehkreuzen und einem Bußgeld von 15 Euro geahndet worden – scherzhaft als TOEEC (Steuer auf übermäßige Besetzung panoramischer Flächen) bezeichnet. Die Einnahmen aus den Strafen sollten angeblich die tägliche Reinigung der technisch ausgestatteten Aussichtspunkte finanzieren.
Der Scherz spiegelte reale Lösungsansätze wider, wie sie etwa in der österreichischen Region Dachstein Salzkammergut erprobt wurden. Dort haben Maßnahmen wie alternative Aussichtspunkte, digitale Besucherstromüberwachung und Anreize für den öffentlichen Nahverkehr erfolgreich zur Entlastung beigetragen. Lissabons fingierte Pläne sahen sogar Vorteile wie kostenlose Abendessen für Touristen vor, die an mehreren Tagen öffentliche Verkehrsmittel nutzen.
Die Reaktionen auf den Streich fielen gemischt aus. Einige Anwohner lobten die Idee als notwendig, um das kulturelle Erbe der Stadt zu schützen. Andere kritisierten sie als unzumutbare Einschränkung der persönlichen Freiheit.
Der Scherz lenkte die Aufmerksamkeit auf reale Sorgen wegen des Tourismusdrucks in Lissabon. Zwar werden keine echten Drehkreuze oder Bußgelder eingeführt, doch die Aktion löste eine Debatte über die Steuerung der Besucherzahlen aus. Ähnliche Systeme haben sich in anderen überlasteten europäischen Reisezielen bereits als wirksam erwiesen.






