Kölner Archiv-Einsturz 2009: Wie eine Baustellen-Katastrophe die Stadt veränderte
Miriam WeberKölner Archiv-Einsturz 2009: Wie eine Baustellen-Katastrophe die Stadt veränderte
Ein verheerender Einsturz im Jahr 2009 zerstörte das historische Kölner Stadtarchiv während des U-Bahn-Baus. Die Katastrophe forderte zwei Menschenleben, begrub jahrhundertealte Dokumente unter sich und hinterließ eine tiefe Narbe in der Stadt. Mehr als ein Jahrzehnt später wirken die rechtlichen und physischen Folgen noch immer nach.
Der Einsturz ereignete sich am 3. März 2009, als ein Grundwasserkrater das Archiv verschlang. Darin befanden sich 1,7 Millionen Akten, die 1.000 Jahre Kölner Geschichte dokumentierten. Zwei junge Männer, die in der Nähe lebten, kamen ums Leben, als der Boden unter ihnen nachgab.
Rettungskräfte verbrachten Monate damit, zerrissene Papiere zu bergen, und verteilten die Fragmente auf 20 provisorische Archive. Die Katastrophe ließ zudem den Turm der benachbarten St.-Johann-Baptist-Kirche absacken – seither trägt er den Spitznamen "Kölner Schiefer Turm".
Eine spätere Untersuchung förderte zutage, dass kritische Stahlträger vor dem Einsturz gestohlen und als Schrott verkauft worden waren. Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), die trotz fehlender Erfahrung mit derartigen Projekten die Bauarbeiten überwacht hatten, gerieten in die Kritik. Die juristischen Verfahren zogen sich jahrelang hin – mit gemischten Urteilen: Einige Angeklagte wurden verurteilt, andere freigesprochen. Bis 2024 wurde das Verfahren eingestellt, da die verbliebenen Beschuldigten nur mittelbar für verantwortlich befunden wurden.
Die Baustelle selbst ist bis heute unvollendet. 2023 wurde der Krater teilweise mit provisorischem Beton verfüllt, doch dieser soll bald wieder entfernt werden. Die Arbeiten an der Nord-Süd-U-Bahn-Linie gehen weiter – nach Fertigstellung soll sie die Fahrzeit um acht Minuten verkürzen.
Unterdessen setzt sich die Aktivistengruppe ArchivKomplex für eine Mitsprache bei den Neubauplänen ein. Sie fordert zudem ein würdevolles Denkmal für die Opfer der Katastrophe und das verlorene Kulturgut.
Der Einsturz von 2009 tilgte unwiederbringliche Zeugnisse und veränderte das Kölner Stadtbild. Die juristischen Auseinandersetzungen endeten ohne vollständige Aufarbeitung, während das U-Bahn-Projekt langsam voranschreitet. Wie die Stadt die Katastrophe künftig erinnert und was mit dem Gelände geschieht, bleibt weiterhin umstritten.






