Hunderte protestieren in Bonn für besseren Schutz vor digitaler Gewalt gegen Frauen
Jakob MayerHunderte protestieren in Bonn für besseren Schutz vor digitaler Gewalt gegen Frauen
Hunderte Demonstrantinnen und Demonstranten versammelten sich am Sonntag in Bonn, um strengere Schutzmaßnahmen für Frauen gegen digitale und sexualisierte Gewalt zu fordern. Die Kundgebung folgte einer Der-Spiegel-Recherche zu Vorwürfen gegen den Schauspieler Christian Ulmen, dem seine Ex-Frau, die Schauspielerin Collien Fernandes, digitalen Missbrauch vorwirft. Organisiert von einem überparteilichen Bündnis, zog die Veranstaltung über 500 Menschen auf den Bonner Marktplatz vor dem alten Rathaus.
Auslöser für den Protest war der kürzlich veröffentlichte Spiegel-Bericht, in dem Fernandes' Schilderungen von digitaler Gewalt durch Ulmen detailliert beschrieben werden. Die Plakate der Teilnehmenden trugen Botschaften wie "Mädchen wollen einfach nur sicher sein" oder "Wir sind wütend". Jede Rednerin und jeder Redner bei der Kundgebung forderte Männer auf, mehr Verantwortung im Kampf gegen frauenfeindliches Verhalten zu übernehmen.
Das Bündnis hinter der Demonstration umfasste lokale Gliederungen von Grünen, CDU, SPD und Volt. Auch Politikerinnen der Frauen-Union der CDU nahmen teil und setzten sich für schärfere rechtliche Schutzmechanismen ein. Tim Achtermeyer, Co-Vorsitzender der nordrhein-westfälischen Grünen, kritisierte Bundeskanzler Friedrich Merz dafür, dass er strengere Gesetze zum Schutz von Frauen nicht unterstütze.
Die Bonner Kundgebung fand einen Tag nach einer Demonstration in Köln statt, an der über 5.000 Menschen gegen sexualisierte Gewalt auf die Straße gegangen waren. Unterdessen hat Kanzler Merz auf Bundesebene die Zunahme sowohl physischer als auch digitaler Gewalt gegen Frauen anerkannt. Justizministerin Stefanie Hubig bereitet derzeit Reformen vor, darunter elektronische Fußfesseln für gewalttätige Ex-Partner sowie einen Gesetzentwurf gegen sexualisierte Deepfake-Aufnahmen.
Die Proteste in Bonn und Köln spiegeln den wachsenden öffentlichen Druck wider, endlich konsequent gegen Gewalt an Frauen vorzugehen. Zwar sind auf Bundesebene Reformen in Arbeit, doch lokale Politikerinnen und Politiker fordern schnellere und entschlossenere Maßnahmen. Das Thema bleibt eine zentrale Frage in den politischen und gesellschaftlichen Debatten Deutschlands.






