EU-Reform des Emissionshandels: Industrie erhält Milliardenhilfen und mehr Flexibilität
Jakob MayerEU-Reform des Emissionshandels: Industrie erhält Milliardenhilfen und mehr Flexibilität
EU-Kommission stellt weitreichende Reformen des Emissionshandels vor
Die Europäische Kommission wird noch in dieser Woche umfassende Reformen des EU-Emissionshandelsystems (ETS) vorlegen. Die für Mittwoch, den 1. April 2026, erwarteten Vorschläge umfassen Anpassungen, die belasteten Industrien entgegensommen sollen, ohne die Klimaziele aus den Augen zu verlieren. Die Änderungen folgen monatelangen Debatten, in denen Wirtschaftsführer eine flexiblere Herangehensweise bei der CO₂-Bepreisung gefordert hatten.
Die Reformen sehen einen "realistischeren" Pfad für das ETS vor: Kostenlose CO₂-Zertifikate sollen über das Jahr 2034 hinaus für Branchen wie die Chemieindustrie verlängert werden. Zudem werden zusätzliche 400 Millionen Zertifikate – mit einem Volumen von rund 30 Milliarden Euro – bereitgestellt, um die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu stärken. Auch der Marktstabilitätsmechanismus (MSR) wird dauerhaft reformiert: Die bisherige Streichung von Zertifikaten entfällt vollständig.
Für die Chemieindustrie werden die Referenzwerte neu justiert, um die Einhaltung der Vorgaben zu erleichtern. Dieser Schritt erfolgt vor dem Hintergrund, dass Evonik-Chef Christian Kullmann zuvor entweder eine Abschaffung des ETS oder eine grundlegende Neugestaltung gefordert hatte. Kürzlich veröffentlichte Kullmann gemeinsam mit dem EU-Abgeordneten Peter Liese einen Gastbeitrag im Handelsblatt, in dem sie pragmatische Lösungen und ausgewogene Kompromisse im System anmahnten.
Ziel der Kommissionsvorschläge ist es, langjährige Bedenken der Industrie zu adressieren, ohne die Funktionsfähigkeit des ETS zu gefährden. Kostenlose Zuteilungen und Investitionsförderung sollen den Sektoren den Übergang erleichtern, ohne dass sie im globalen Wettbewerb zurückfallen.
Die Reformen markieren einen bedeutenden Kurswechsel in der Art und Weise, wie die EU Klimapolitik mit industriellen Erfordernissen in Einklang bringt. Für Schlüsselbranchen bleiben kostenlose Zertifikate erhalten, und der MSR wird künftig keine Emissionsrechte mehr streichen – eine Entlastung für die Wirtschaft. Das 30-Milliarden-Investitionspaket unterstreicht den Willen, Europas wirtschaftliche Spitzenposition zu wahren und gleichzeitig die Emissionen zu senken.






