15 April 2026, 10:09

"Eine Mark mehr!": Wie 20 Frauen 1973 einen historischen Streik auslösten

Plakat mit der Aufschrift "Kinderaert ist eine nationale Geisel - Sollen wir die Industrie das Land fesseln lassen" in fetter schwarzer Schrift auf einem weißen Hintergrund, das eine vielfältige Gruppe von Menschen zeigt, die gemeinsam stehen.

"Eine Mark mehr!": Wie 20 Frauen 1973 einen historischen Streik auslösten

Im August 1973 brach im Pierburg-Werk in Neuss ein historischer Streik aus. Was mit etwa 20 Frauen begann, entwickelte sich schnell zu einem Massenprotest mit Hunderten Beteiligten. Ihre Forderung war klar: gleicher Lohn für gleiche Arbeit – unter dem Schlachtruf "Eine Mark mehr".

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Der Streik begann am Montag, dem 13. August, als eine kleine Gruppe von Frauen die Arbeit niederlegte. Viele von ihnen waren Migrantinnen aus verschiedenen europäischen Ländern, die nach dem Tarif "leichte Arbeitsgruppe 2" beschäftigt wurden – einer niedrigeren Lohnstufe, obwohl sie dieselben Aufgaben wie ihre männlichen Kollegen erledigten. Bis zum Ende der Woche hatte sich die Bewegung ausgeweitet und dauerte bis Freitag, den 17. August, an.

Die Polizei wurde gerufen, um den Streik aufzulösen; es gab Berichte, dass ein Beamter die Arbeiterinnen mit rassistischen Beleidigungen beschimpfte. Dennoch zeigte sich Solidarität – von Künstlern wie Joseph Beuys und Arbeitern aus anderen Städten. Der Protest wurde zu einem der ersten großen Streiks in Deutschland, bei dem männliche Kollegen ihre weiblichen Kolleginnen aktiv unterstützten.

Nach intensiven Verhandlungen willigten die Arbeitgeber in eine Lohnerhöhung von 53 bis 65 Pfennig ein. Noch bedeutender war jedoch, dass der Streik die Abschaffung der "leichten Arbeitsgruppe 2" erzwang – nicht nur bei Pierburg, sondern bundesweit. Diese Entscheidung markierte einen Wendepunkt im Kampf für faire Bezahlung in deutschen Fabriken.

Der fünftägige Streik bei Pierburg endete mit einem klaren Sieg für die Arbeiterinnen. Die Löhne stiegen, und die diskriminierende Lohnkategorie wurde im ganzen Land abgeschafft. Die Aktion setzte ein Zeichen für künftige Arbeitskämpfe und bewies, dass kollektives Handeln strukturelle Lohnungerechtigkeit überwinden kann.

Quelle