Digitale sexualisierte Gewalt: Warum fast die Hälfte aller Jugendlichen betroffen ist
Jakob MayerDigitale sexualisierte Gewalt: Warum fast die Hälfte aller Jugendlichen betroffen ist
Digitale sexualisierte Gewalt betrifft fast die Hälfte aller Jugendlichen – viele Vorfälle geschehen in Schul- oder Freundesgruppenchats. Eine aktuelle Debatte um öffentliche Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann hat das Thema weiter in den Fokus gerückt. Nun werden Schulen und Eltern aufgefordert, entschlossener zu handeln.
Laut einer Erhebung aus dem Jahr 2025 war fast jedes vierte Kind von Cybergrooming betroffen – also von Fällen, in denen Täter gezielt über Online-Chats Kontakt zu Minderjährigen aufnehmen. Auch sexuelle Grenzverletzungen finden häufig im vertrauten Umfeld statt, etwa in Klassen- oder Freundesgruppenchats. Obwohl Lehrkräfte das Problem erkennen, fühlen sich viele überfordert und wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen.
Ein Pilotprojekt in Thüringen setzte sich mit dem Problem auseinander, indem Präventionsworkshops an Schulen angeboten wurden. Yasmina Ramdani leitete dort Veranstaltungen zum Thema digitale sexualisierte Gewalt und erreichte innerhalb von drei Jahren rund 5.000 Schülerinnen und Schüler. Die Förderung des Projekts lief zwar aus, doch es gibt Pläne, es nach den Sommerferien 2026 wieder aufzunehmen.
Expertinnen und Experten betonen, dass auch Eltern eine wichtige Rolle spielen: Sie sollten ihr eigenes digitales Verhalten reflektieren und mit ihren Kindern offen über Grenzen sprechen. Stand April 2026 gibt es jedoch keine belastbaren Daten darüber, wie viele deutsche Schulen seit dem Ende des Pilotprojekts ähnliche Präventionsprogramme eingeführt haben.
Das Problem der digitalen sexualisierten Gewalt bleibt weit verbreitet, während Schulen und Familien vor Herausforderungen bei der Bewältigung stehen. Zwar zeigen Initiativen wie die Thüringer Workshops vielversprechende Ansätze, doch hängt ihr langfristiger Erfolg von kontinuierlicher Unterstützung und einer breiteren Umsetzung ab. Ohne weitere Maßnahmen bleibt eine große Zahl junger Menschen gefährdet.






