Dieter Nuhrs Femizid-Witze entfachen Debatte über Humor und Verantwortung
Anton GüntherDieter Nuhrs Femizid-Witze entfachen Debatte über Humor und Verantwortung
Der Komiker Dieter Nuhr sieht sich mit massiver Kritik an Witzen über Frauen in seinem jüngsten ARD-Programm konfrontiert. Zu seinen umstrittenen Äußerungen gehörte ein „Scherz“ über Femizide sowie die Behauptung, Parkplätze seien „strukturell zu klein“ für Frauen. Viele Zuschauer empfanden den Humor als geschmacklos und unverantwortlich.
In der Sendung „riet“ Nuhr Frauen, ihren Partner vor dem Sex kennenzulernen, um nicht ermordet zu werden. Der Witz wurde breit als plump und unfassbar unangemessen kritisiert – vor allem, weil er die Täter entlastet und die Verantwortung den Opfern zuschiebt. Dabei ignoriert er, dass Femizide das Ergebnis systematischer Gewalt und frauenfeindlicher Strukturen sind.
Nuhr hat eine lange Geschichte darin, Frauen in seinen Programmen als billige Witzobjekte zu instrumentalisieren. Zudem behauptete er, Femizide seien in Deutschland kein strukturelles Problem – obwohl jährlich 300 bis 350 Frauen auf diese Weise getötet werden. Der Rundfunksender rbb verteidigte die Sendung mit Verweis auf künstlerische und satirische Freiheit, räumte die Kritik jedoch ein. Konsequenzen für Nuhr oder das Programm gab es nicht.
Öffentlich-rechtliche Sender stehen bereits länger in der Kritik, solch fragwürdiger „Satire“ eine Bühne zu bieten. Die aktuelle Debatte zeigt einmal mehr, wie umstritten die Grenzen von Humor und die Verantwortung von Comedians sind. Der Sender hält an seiner Position fest, die Sendung falle unter die Kunstfreiheit. Nuhrs Äußerungen blieben ohne Stellungnahme oder disziplinarische Folgen – doch die Diskussion über die Rolle öffentlicher Plattformen bei der Prägung gesellschaftlicher Normen ist damit neu entfacht.
