Bachmann-Preis 2024: Frauen dominieren Jury und Debatten in Klagenfurt
Jakob MayerBachmann-Preis 2024: Frauen dominieren Jury und Debatten in Klagenfurt
Das Bachmann-Preis-Festival in Klagenfurt ist mit bemerkenswerten Auszeichnungen und lebhaften Debatten zu Ende gegangen. Autorinnen und Autoren präsentierten Texte, die sich mit wirtschaftlichem Kampf, künstlerischem Widerstand und persönlicher Not auseinandersetzten. Die in diesem Jahr ausschließlich aus Frauen bestehende Jury brachte frische Perspektiven in den Wettbewerb ein.
Schaette erhielt den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis sowie den Publikumspreis für ihren Text Was wir tragen. Ozan Zakariya Keskinkılıç wurde mit dem Deutschlandfunk-Preis für Vater ohne Sohn ausgezeichnet, während Kinga Tóth den KELAG-Preis für ihre Darstellung eines „Ostblock-Mädchens“, das tägliche Demütigungen erlebt, gewann.
Im Mittelpunkt der Diskussionen stand das Hörspiel Der gute Gott von Manhattan von Ingeborg Bachmann, in dem Gott auf der Anklagebank sitzt, sich durch die Wahrheit jedoch von den Vorwürfen befreit. Das wiederkehrende Motiv der „Flecken“ in vielen Texten verwies auf schwierige Lebensumstände.
Die Jury hob die wirtschaftlichen Ungleichheiten in den eingereichten Werken hervor und betonte, wie Hierarchien oft durch Geld definiert werden. Burkhard Spinnen forderte, dass Kunst sich offen gegen gesellschaftliche und wirtschaftliche Zwänge stellen müsse. Slata Roschal las eine Geschichte, die sich weniger mit Prekariat als vielmehr mit der Literaturszene beschäftigte, weigerte sich später jedoch, vor der Jury zu erscheinen, und kritisierte die etablierte Behandlung von Schriftstellerinnen und Schriftstellern.
Das Festival löste starke Reaktionen auf die Texte und ihre Themen aus. Ausgezeichnet wurden Werke, die sich mit persönlichen und gesellschaftlichen Kämpfen befassen. Die rein weibliche Jury und die mutigen Aussagen der Autorinnen und Autoren hinterließen einen bleibenden Eindruck bei dieser Auflage des Festivals.
