Aysha Rafaele bricht mit Traditionen – warum ihre Dokus jetzt Faktual-Teams überzeugen
Miriam WeberAysha Rafaele bricht mit Traditionen – warum ihre Dokus jetzt Faktual-Teams überzeugen
Aysha Rafaele, vierfache BAFTA-Preisträgerin, geht neue Wege: Statt an Drama-Redaktionen wendet sie sich direkt an Dokumentar-Teams
Die preisgekrönte Filmemacherin Aysha Rafaele hat einen mutigen Schritt gewagt und ihre neuesten Projekte direkt bei den Faktual-Abteilungen von Sendern eingereicht – statt wie üblich bei den zuständigen Drama-Redaktionen. Ihr aktuelles Werk „Vengeance: Mord in der Heide“ beleuchtet den sogenannten „Honeytrap-Mord“ an Gagandip Singh und will gleichzeitig Einblicke in die britische Sikh-Gemeinschaft geben.
Rafaeles jüngste Produktion für Channel 4, „Vengeance“, rollt den Mordfall Gagandip Singh aus dem Jahr 2016 neu auf. Der junge Mann wurde aufgrund seiner Unerfahrenheit in Beziehungen zum Opfer eines tragischen Verbrechens. Die Geschichte erinnert an Themen, wie sie auch in der Netflix-Serie „Adolescence“ zentral sind, wo die Verwundbarkeit junger Menschen im Mittelpunkt steht. Zudem erzählt der Film die Geschichte von Mahil, einer Figur, die nach einer sexuellen Gewalterfahrung keine Anzeige bei der Polizei wagt – ein Erzählstrang, der bereits in der ITV-Serie „Believe Me“ aufgegriffen wurde.
Trotz ihrer Erfolge sieht sich Rafaele weiterhin mit Hürden konfrontiert, wenn es darum geht, Geschichten über britisch-asiatische Communities auf die Leinwand zu bringen. Selbst nach Adeel Akhtars BAFTA-Gewinn 2017 für „Murdered by My Father“ habe sich wenig verändert, so die Regisseurin. „Auf dem Bildschirm ist so gut wie nichts angekommen“, gibt sie unumwunden zu und kritisiert damit die zähe Entwicklung hin zu mehr Vielfalt.
Ihre jüngsten Projekte, darunter „Dirty Business“, wurden von den unscripted-Teams von Channel 4 grünes Licht gegeben – ein Schritt, von dem sie sich beschleunigte Produktionsprozesse erhofft. Indem Rafaele die klassischen Wege der Drama-Kommissionierung umgeht, will sie ihre Arbeiten effizienter vorantreiben und sicherstellen, dass diese unterrepräsentierten Geschichten endlich ein Publikum erreichen.
Mit „Vengeance“ verspricht Rafaele einen frischen Blick auf die britische Sikh-Gemeinschaft und deckt gleichzeitig die Hindernisse auf, mit denen Filmemacher:innen konfrontiert sind, die sich diversen Erzählungen widmen. Das Projekt – wie auch ihre weiteren Arbeiten – steht für ihren anhaltenden Einsatz, Branchenstandards infrage zu stellen und marginalisierten Stimmen Gehör zu verschaffen.






