16 April 2026, 08:09

Allein im Alter: Wie ältere Migranten mit Isolation und psychischen Krisen kämpfen

Eine Zeichnung eines mehrfenstrigen Gebäudes mit einem Schornstein, das als psychiatrische Klinik in Deutschland identifiziert wurde, begleitet von handgeschriebenem Text auf demselben Papier.

Allein im Alter: Wie ältere Migranten mit Isolation und psychischen Krisen kämpfen

Jahrzehnte, nachdem Deutschland ausländische Arbeitskräfte anwarb, um die Nachkriegswirtschaft wieder aufzubauen, kämpfen viele ältere Migrantinnen und Migranten noch immer mit Isolation und psychischen Problemen. Ihre Erfahrungen zeigen, wie dringend kultursensible Betreuung nötig ist – doch die Hürden bleiben hoch. Die Geschichte einer Familie verdeutlicht die Herausforderungen des Alterns fern der Heimat.

In den 1960er-Jahren holte Deutschland Arbeitskräfte aus Ländern wie der Türkei ins Land, um den durch den Zweiten Weltkrieg verursachten Fachkräftemangel zu beheben. Fatih Çevikkollus Eltern gehörten zu dieser Generation: Sein Vater, ein ausgebildeter Schlosser, und seine Mutter, eine qualifizierte Grundschullehrerin, waren mit der Absicht gekommen, nur vorübergehend zu bleiben – in der Erwartung, bald in die Heimat zurückzukehren.

Das sogenannte Rotationsprinzip endete in den 1970er-Jahren, als die wirtschaftliche Lage in der Türkei und der anhaltende Arbeitskräftebedarf in Deutschland die Familien im Ausland festhielten. Çevikkollus Mutter, die ihren Lehrerberuf nicht ausüben konnte, arbeitete stattdessen als Näherin. Dieser Wechsel führte zu dem, was Expertinnen und Experten als Statusverlust bezeichnen – einen Schlag für ihre berufliche Identität.

In späteren Jahren lebte sie allein und litt vermutlich unter Psychosen. Ihr psychischer Zustand verschlechterte sich zusehends – ein Muster, das bei älteren Migrantinnen und Migranten häufig auftritt: Viele beschreiben seelische Not oft über körperliche Symptome. Einsamkeit ist in dieser Gruppe weit verbreitet, verschärft durch Sprachbarrieren, kulturelle Unterschiede und schrumpfende soziale Netzwerke.

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Einrichtungen wie die interkulturelle Ambulanz der LWL bieten mittlerweile spezialisierte psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung an. Diese Programme sollen die kulturellen Unterschiede in der Behandlung psychischer Erkrankungen überbrücken. Doch trotz solcher Ansätze haben viele ältere Migrantinnen und Migranten nach wie vor Schwierigkeiten, Hilfe zu erhalten.

Die Geschichte von Fatih Çevikkollus Familie steht exemplarisch für die größeren Herausforderungen einer alternden Migrantengeneration. Zwar bieten interkulturelle Kliniken maßgeschneiderte Unterstützung, doch Stigmatisierung und Isolation bleiben bestehen. Ohne mehr Bewusstsein und gezielte Ansprache werden viele weiterhin schweigen – und mit ihren psychischen Belastungen allein bleiben.

Quelle