Alfred Grosser – ein Leben für die deutsch-französische Freundschaft ist zu Ende gegangen
Anton GüntherAlfred Grosser – ein Leben für die deutsch-französische Freundschaft ist zu Ende gegangen
Alfred Grosser, der renommierte Politikwissenschaftler und unermüdliche Vorkämpfer der deutsch-französischen Freundschaft, ist im Alter von 99 Jahren verstorben. Mit scharfem Verstand und einer kompromisslosen Haltung zur Versöhnung prägte er maßgeblich die Nachkriegsbeziehungen zwischen Frankreich und Deutschland. Sein Tod hinterlässt eine Lücke in der politischen Denkwelt und im grenzüberschreitenden Verständnis.
Grosser war eine treibende intellektuelle Kraft hinter dem Élysée-Vertrag von 1963, der die Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland besiegelte. Sein Wirken ging jedoch weit über die Politik hinaus – er setzte sich für den Dialog zwischen ehemaligen Feinden ein und mahnte, Vertrauen und Freundschaft aufzubauen.
Im April 1987 besuchte er Solingen und sprach vor Studierenden über die Rolle der französischen und deutschen Jugend in Gesellschaft und Politik. Noch im selben Jahr ehrte ihn die Stadt mit dem Preis „Schärfstes Solinger Messer“ für sein Engagement für das gegenseitige Verständnis.
Obwohl Grosser mitunter als „Provokateur“ galt, war er überzeugt, dass die Auseinandersetzung mit schwierigen Standpunkten tiefere Verbindungen schafft. Unbeirrt vertrat er die Position, dass Menschenrechte nicht verhandelbar seien – selbst dann, wenn er israelische Politik kritisierte. Seine klaren, direkten Worte und sein Appell zur Solidarität fanden weite Resonanz.
Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach würdigte Grossers lebenslanges Bemühen, Gräben zu überwinden. Sein Vermächtnis bleibt eng mit der Idee verbunden, dass aus alten Gegensätzen durch Dialog und Respekt Verbündete werden können.
Grossers Beiträge zur deutsch-französischen Aussöhnung und sein Eintreten für eine offene Debattenkultur werden fortbestehen. Seine Arbeit an der Versöhnung legte den Grundstein für kommende Generationen. Das Fehlen seiner Stimme hinterlässt eine spürbare Leere in den Diskussionen über Frieden und Zusammenarbeit.






